Interessensgemeinschaft
der Sauerstoff-Ozon-Therapeuten

 

Vorsitzender: Dr. Johannes JAKL 
A - 1150 Wien, Akkonplatz 10/15, Tel.: 985 75 40, E-Mail: jojakl@ins.at

 

 

 

 

 

 

Behandlung mit Ozon

 Lutz Gröger

 

Zu einer Zeit, wo fast nur mehr vom umweltschädigenden Ozon, vom hautkrebsfördernden Ozonloch und vom Atemgift Ozon gesprochen wird - ohne diese teilweise richtigen Äußerungen in einen entsprechenden Gesamtzusammenhang zu stellen -, ist es schwierig geworden, dem Ozon in seiner Ganzheit gerecht zu werden.

Der Allgemeinmediziner Hans H. Wolff (1924-1980) beginnt denn auch sein Buch "Das medizinische Ozon" (erschienen im Verlag für Medizin Dr. Ewald Fischer, Heidelberg) mit folgenden Worten: Zahlreiche Irrwege sind bis zur heutigen wissenschaftlich begründeten Anwendung des Ozon gegangen worden, ja kriminelle Meinungen sind aufeinander geprallt, die seine Nutzbarkeit zumindest auf dem medizinischen Sektor oftmals in Frage gestellt haben. Die Ursachen liegen einmal im zeitlichen Ablauf der Forschungen und deren unterschiedlichsten Versuchsbedingungen, zum anderen aber vor allem in der Neigung einiger Wissenschaftler, "Falsches abzuschreiben und Gehörtes zu publizieren, ohne selbst über die nötige Sachkunde zu verfügen". Sätze, die leider bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Zunächst aber einige Worte zur historischen Entwicklung. 1839 bemerkte der Physiker und Chemiker Christian Friedrich Schönbein bei der Elektrolyse des Wassers am positiven Pol ein eigentümlich riechendes Gas, das er Ozon (Name vom Griechischen: OZEIN = nach etwas riechen) benannte und von dem er annahm, daß es ein Bestandteil des Stickstoffes sei.

Frhr. Justus von Liebig (deutscher Chemiker 1803- 1873), der die Arbeit Schönbeins prüfte, erkannte Ozon als ozonisierten Sauerstoff. 1857 baute Werner von Siemens eine Induktionsröhre, mit deren Hilfe mittels stiller elektrischer Entladung aus Luft oder Sauerstoff ein Sauerstoff-Ozongemisch hergestellt werden konnte.

Kleinmann war es dann, der erste Untersuchungen an pathogenen Keimen mit Ozon durchführte und zur Erkenntnis kam, daß Ozon ausgesprochen desinfizierende Eigenschaften habe. Ebendiese Tatsache wurde Anfang unseres Jahrhunderts im großen Maßstab auf technischem Gebiet angewendet. Riesige Ozontrinkwasseraufbereitungsanlagen weltweit zeugen davon. Bereits 1901 wurden in Wiesbaden, 1910 in St. Petersburg und 1916 in Moskau solche Anlagen gebaut. Weiters stehen Wasseraufbereitungsanlagen in Marseille, Tolouse, Turin, Florenz, Zürich, Essen, Sipplingen am Bodensee, Amsterdam und Montreal, um nur einige zu nennen, die für riesige Ballungsräume mittels Ozondesinfektion für den notwendigen Trinkwasservorrat Sorge zu tragen haben.

Aber auch neben diesen technischen Verwendungsmöglichkeiten des Ozons begann man im Rahmen der Erfahrungsheilkunde auf medizinischem Sektor mit diesem eigentümlich riechenden Gas, das später einmal Payr so treffend "Heilwind" nennen sollte, zu experimentieren. Es ist zweifellos das große Verdienst des Militärarztes A. Wolff, in den Kriegsjahren1916/1917 zum ersten Mal Sauerstoff-Ozon-Gasgemische an gangränösen, jauchig stinkenden Kriegsverletzungen sowie an Abszessen und Phlegmonen mit Erfolg bezüglich guter Heilungstendenz eingesetzt zu haben.

Technische Probleme, vor allem aber das Fehlen ozonresistenter Materialien, sollten einem konsequenten Therapiefortgang, sowie einem konsequenten Weiterforschen noch lange Zeit im Wege stehen.

Trotz dieser genannten Schwierigkeiten war es der Geh. Med.-Rat Prof. Dr. E. Payr (Ordinarius für Chirurgie in Leipzig), der sich Anfang der 30er Jahre - nachdem der Züricher Zahnarzt Dr. Fisch (1899-1966) bei ihm eine schwere gangränöse Pulpitis mit Ozon zu heilen vermochte - intensivst mit diesem Gas zu beschäftigen begann und es als Heilmittel einzusetzen bemüht war.

Sich der desinfizierenden Eigenschaften des Ozons in der Chirurgie bewußt, erkannte er sehr bald, daß das Ozon auch eine stark durchblutungsfördernde Wirkung habe und darüber hinaus aus reinem Sauerstoff hergestellt werden müsse, soll es sich gewebsfreundlich verhalten.

Auch Payr blieb es auf Dauer nicht erspart, gegen entsprechende Vorurteile bezüglich dieser neuen Therapie zu Felde zu ziehen, und so lesen wir in seiner am 26.4.1935 gehaltenen Rede anläßlich der 59. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in Berlin folgende Äußerungen: "Vor allem gilt es noch mit zahlreichen Vorurteilen gegen das Ozon, welches aus der Zeit der Alt-Biologie, als es aus Luft mit Bildung sehr giftiger Nitrosen gewonnen war, aufzuräumen". Bis in die allerneueste Zeit ist die durch die Neu-Biologie widerlegte Mär von der Giftwirkung des Ozons im Schrifttum zu finden. Diese Mär sollte bis in unsere Tage ihre Anhänger da und dort behalten.

Während also Payr seine klinischen Erfahrungen bezüglich der Anwendung des Ozons als Heilmittel mit wissenschaftlicher Akribie weiter vorantrieb, gelang dem französischen Arzt Aubourgin Paris mittels Ozoninsufflation ebendiese Heilkraft bei Darm- und Blasenerkrankungen zu aktivieren, wobei er in beeindruckender Manier die dabei verstärkt auftretende Sauerstoffanreicherung im Blut nachweisen konnte. Fortbestehende technische Schwierigkeiten, unterschiedlichste Versuchsgegebenheiten und das Heraufziehen eines neuerlichen Weltkrieges, wo geistiges Denken mehr im Zerstören als im Bewahren und Heilen befangen war, sollte diese vielversprechende Therapie wieder fast in Vergessenheit geraten lassen.

In den 50er Jahren gelang es dann dem Physiker Dr. Hänsler (1908-1981), einen allen medizinischen Anforderungen gerecht werdenden Ozongenerator herzustellen, bei dem vor allem die genaue Dosiereinstellung eines entsprechenden Sauerstoff-Ozon-Gemisches möglich war.

Der schon eingangs erwähnte Allgemeinmediziner Hans H. Wolff konnte nun, aufbauend auf den Arbeiten Payrs - die Herstellung ozonresistenter Materialien war bereits gelungen -, die Therapie wieder erfolgversprechend anwenden.

Den nächsten aufklärenden Schritt bezüglich Ozonwirkung im Blut tat dann Prof. Dr. Albers (Ordinarius für Biochemie in Mainz) und schließlich konnten der Wiener Chirurg Med.-Rat Prof. Dr. O. Rokilansky und der Biochemiker Prof. Dipl.-Ing. DDr. Washüttl (Ordinarius für Lebensmittelchemie und Lebensmitteltechnik, TU Wien) den Wirkungsmechanismus des medizinischen Ozons weitgehend klären und so dem Ausspruch Payrs "Was Sauerstoff nicht kann, vermag Ozon" neue Beweiskraft verleihen.

Hauptdomäne dieser Therapie sind derzeit zweifellos die Durchblutungsstörungen mit den daraus resultierenden Sauerstoffmangelzuständen und ihren Folgekrankheiten.

Das wiederum führt uns direkt in den weiten Indikationsbereich der Geriatrie, wo gerade viele Alterserkrankungen durch Sauerstoffreduzierung und Energiedefizit mitbedingt sind. Weiters wirkt das medizinische Ozon bei verschiedenen rheumatischen Erkrankungen, die vor allem den Bewegungsapparat betreffen, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Aber auch mittels Ozoninsufflation konnten gute Heilungsergebnisse bei Darmerkrankungen erbracht werden. Der Einsatz von Ozon bei viralen Lebererkrankungen ist ermutigend und läßt andererseits den Schluß zu, daß bei vorheriger Reinigung des Transfusionsblutes mit Ozon die Übertragung von Virusinfektionen vermieden werden kann.

Eine Statistik Wehrlis Über 10.000 ozonvorbehandelte Bluttransfusionen, auf die Hans H. Wolff in seinem Buch, Das medizinische Ozon" Bezug nimmt, bei denen kein einziger Fall von Virushepatitis oder Ikterus auftrat, scheint diese Überlegungen zu untermauern.

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten aber setzen zwecks Therapieoptimierung natürlich auch verschiedenste Applikationsarten voraus. So wird bei der großen Eigenblutbehandlung zum Beispiel mittels Unterdruckflasche Blut entnommen, mit einer dem Dosis-Wirkungsschemaentsprechenden Ozon-Sauerstoffmenge versetzt und langsam wieder reinfundiert. Bei der kleinen Eigenblutbehandlung wird auf die gleiche Weise aufbereitetes Blut intramuskulär gegeben und schließlich kann ein Ozon-Sauerstoffgemisch - entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt - bei peripheren Durchblutungsstörungen intraarteriell appliziert werden.

Sich der hervorragenden viruziden, bakteriziden und fungiziden Eigenschaften dieses Heilgases bewußt, gelangt es auch äußerlich mittels Beutelbegasung, Saugglocke und Unterdruckstiefels zum Beispiel bei Unterschenkelgeschwüren und infizierten Wunden zur Anwendung. Aber auch bei schwer zugänglichen Fisteln sowie bei chronischen Blasen- und Darmerkrankungen kann es mittels Insufflation bestens genützt werden.

Neben diesen rein traditionell medizinischen Bereichen muß jedoch in einer Zeit, da Umweltschutz und Vorsorgemedizin immer größeren Stellenwertbekommen, auch noch auf die technische Seite des Ozons hingewiesen werden.

Dem Ausspruch Mens sana in corpore sano" (ein gesunder Geist in einem gesunden Körper) kann wohl nur mehr dort entsprochen werden, wo eine gesunde Umwelt als Voraussetzung gegeben ist.

In einer Zeit, wo die Erdbevölkerung in rasantem Tempo zunimmt, Ressourcen immer knapper werden, ist es ein Gebot der Stunde, den steigenden Trinkwasserverbrauch aus Brauchwasser sicherzustellen, ist es notwendig, in der Lebensmittelchemie Bedingungen zu schaffen, um entsprechende Nahrungsmittel durch chemisch unbedenkliche Verfahren haltbar zu machen, ohne ihre wichtigsten Inhaltsstoffe, wie Vitamine, essentielle Aminosäuren etc. zu gefährden. Für diese wohl lebenswichtigen Grundlagen bietet sich das Ozon geradezu in besonderer Weise an.

Prof. Washüttl und andere Wissenschaftler haben hierin entsprechende Grundlagenforschung betrieben, die für die Vorsorge- und Umweltmedizin von Bedeutung sind.

Abschließend sei nochmals festgehalten, daß die Ozontherapie zu keiner Zeit ihrer Anwendung eine Modeerscheinung war, und daß sie streng indikationsbezogen in der Hand des erfahrenen Kollegen eine präventive wie kurative Therapie darstellt.

Sie hat im Rahmen vielfältigen Heilens ihren ihr entsprechenden Platz einzunehmen, sie ist schulmedizinisch gesicherten Therapien ebenbürtig und sie ist es wert, mit Überzeugung vertreten zu werden.

Das jedenfalls hat sich die Österreichische ärztliche Gesellschaft für med. und techn. Ozon zur Aufgabe gemacht.

 

 

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